1. Der Einstieg: Mehr als Vorstellungsrunden
„Bitte keine Vorstellungs- oder Erwartungsrunde!"
Auch ritualisierte Workshopeinstiege ermüden Menschen.
Ganz ehrlich: sie sind verlorene Zeit, wenn sie nur dem Facilitator dienen.
Warum klassische Einstiege oft scheitern
Na klar, mit Menschen in Kontakt zu kommen, ist grundlegende Arbeit als Coach. Wenn ich keinen Bezug zu ihnen aufnehmen kann, fliegt das inhaltliche Thema vielleicht nur wie ein verlorener Ballon durch den Raum.
Aber: Damit Workshop gelingt, ist meine Aufgabe, dass vor allem untereinander Bezug entsteht. Ich selbst lese dabei die Dynamik und zwischen den Zeilen. Und erstes Kennenlernen meiner Teilnehmenden kann ich als Coach auch beim Kaffee vor dem Start hinbekommen.
Das Problem mit Erwartungsrunden
Und die Sache mit den Erwartungen? Besser nicht. Der Begriff beinhaltet ja schon, zu welcher Haltung sie einladen: „Ich sag jetzt mal, was ich will und warte ab, ob geliefert wird."
Das hilft der Dynamik des Workshops so gar nicht, es wird passiv. Aktivierend ist vielmehr nach Zielen für sich oder die Gruppe und nach der persönlichen Beitragsbereitschaft zu fragen:
- Was will ich hier mit den anderen erreichen/klären/lösen?
- Was bin ich bereit, dafür zu tun oder zu geben?
Damit erzeuge ich eine aktivierende Atmosphäre.
Wirkungsvolle Einstiege gestalten
Einen guten Einstieg zeichnet aus, dass er auf elementare Ziele oder Themen hinführt. Ein Beispiel aus der Praxis:
In einem Workshop ging es darum, verfestigtes Schubladendenken, Richtig-Falsch-Diskussionen und negative Erwartungshaltung zu drehen und neue Arbeitsfähigkeit zu erzeugen. Statt darüber zu diskutieren, habe ich die Verantwortung jedes einzelnen adressiert – mit Fingerfallen.
Der Clou: Je mehr man zieht, desto stärker schnappen sie zu. Die Lösungsbewegung ist aufeinander zu.
Danach gab es Zeit zur Selbstbesinnung: Mit welchen Gedanken, Annahmen, Meinungen könnte ich in der Falle stecken und will sie bis morgen öffnen?
An Tag zwei habe ich zudem die wunderbare Geschichte von Jorge Bucay „Sich klarwerden" vorgelesen. Damit waren zwei Bilder (Falle und Straßenseite) im Raum, die wiederholt genutzt wurden, um sich positiv im Aufbruch zu verstärken.
Inspirationen für aktivierende Eröffnungen
Fragenbasierte Einstiege:
- Was wäre der größte Erfolg, den wir heute gemeinsam erreichen könnten?
- Welchen persönlichen Beitrag bin ich bereit zu leisten?
- Was müsste heute passieren, damit ich morgen sagen kann: "Das hat sich gelohnt"?
Kreative Übungen mit Wirkung:
- Stimmungsbarometer
- Speed-Dating mit gezielten Impulsfragen
- Partnerinterview und wechselseitiger Pitch vor der Gruppe
- Jahrmarkt der Persönlichkeiten
- Objekt aus der Tasche oder Schlüsselbundvorstellung
- Assoziationskarten
- Zukunftsbild malen
Einem Workshop zu einem wirkungsvollen Stapellauf zu verhelfen, ist einerseits Basic für Coaches und Facilitatoren und doch eine eigene Kunst.