Die Maßnahmen
Folgende Maßnahmen können dafür sorgen, dass im Unternehmen der Fokus auf das Ganze gerichtet wird:
1. Unternehmensweite Zielausrichtung schaffen, damit Abteilungen und Teams auf dieselben unternehmensweiten Prioritäten (also gemeinsamen Ziele) hin und nicht aneinander vorbei arbeiten.
Die Schritte sind
- Einführung eines Zielsystems wie OKR (Objectives & Key Results): Max. 3–5 übergreifende Unternehmensziele pro Quartal.
- Teams leiten ihre eigenen OKRs daraus ab und stimmen sich untereinander ab, so dass Fokus, Klarheit und Verknüpfung der Teamziele ermöglicht werden.
- Regelmäßige Ziel-Kommunikation durch die Geschäftsführung:
Quartalsweise Townhall oder „Strategie-Update“ mit Blick auf: Wo stehen wir als Unternehmen? Wo wollen wir hin? Was bedeutet das für jeden Bereich? - Abteilungsübergreifende Ziel-Workshops:
Einmal pro Quartal kurze Sessions mit 2–3 Teams, die an Schnittstellen arbeiten mit dem Auftrag, sich abzugleichen, Konflikte frühzeitig zu erkennen und Synergien zu nutzen.
Damit derartige Zielssysteme gelingen, braucht es einen echten Dialog top-down und buttom-up. Ein Zielsystem dient nicht dazu, den Menschen von oben Ziele zu verordnen, sondern sie an der Aushandlung derart zu beteiligen, dass alle wissen, wozu sie gerade woran fokussiert mitwirken. Und sich dafür dann auch wirklich engagieren.
2. Strukturen für Zusammenarbeit schaffen, in denen sich Teams regelmäßig und nicht nur bei Eskalationen begegnen.
Dies gelingt durch
- Cross-funktionale Projektgruppen für strategisch wichtige Themen
- Regelmäßige Team-übergreifende Jour Fixes (z. B. Sales & Produktion).
- Benennung von Schnittstellenverantwortlichen, die über Teams hinweg Prozesse im Blick haben.
3. Kommunikation vereinfachen und zentralisieren, damit Informationen reibungsloser und direkter fließen und Entscheidungen und deren Entstehung transparent werden.
Dabei helfen kann
- die Einführung eines zentralen Kommunikationstools mit offenen Channels für Projekte und Abteilungen.
- ein Wöchentlicher interner Newsletter (1 Seite): Was passiert bereichsübergreifend?
- der Aufbau einer Wissensplattform, auf der Prozesse, Zuständigkeiten, FAQs abgelegt sind.
Unterhalb der Wasseroberfläche heißt es hier aber zudem, in Führung aufmerksam wahrzunehmen, wo Kommunikation weniger an Struktur und Kanälen, sondern mehr am Zwischenmenschlichen scheitert.
Welche inneren Blockaden, mentalen Modelle, unausgesprochenen Verhaltensregeln, gelernten Muster sind anzugehen?
Eine Organisation, in der sich Hierarchie lange dadurch ausgezeichnet hat, Entscheidungen möglichst nach oben zu delegieren, braucht mehr als nur Tools, um Menschen bottom-up zu aktivieren.
Die Unternehmenspersönlichkeit (oftmals Kultur genannt) kann jedes noch so kluge Zielsystem ruckzuck verfrühstücken. Daher:
4. Kulturelle Hebel nutzen, so dass Zusammenarbeit gelebter Teil der Unternehmenskultur wird.
Solche Hebel können sein:
- Definition von Werten oder Prinzipien und zugehöriger Verhaltensanker z. B. anhand der Fragen: “Wir arbeiten bereichsübergreifend?”, “Wir denken vom Kunden her?”
- Interdisziplinäre Teamtage oder Offsites mit Fokus auf Teambuilding, Austausch sowie Gestaltung gemeinsamer Projekte.
- Bereichsübergreifende Erfolge wie im gläsernen Labor sichtbar machen, beispielweise als Projekt des Monats im internen Newsletter.
- Begegnungsräume (Projektlabor/Kaffeeküche) mit transparenter Dokumentation und Raum zum Austausch befördern dies einmal mehr.
5. Wer Führungskräfte auf Silostrukturen sensibilisiert, sorgt dafür, dass diese und das zugehörige Verhalten frühzeitig erkannt und adressiert werden.
Empfehlenswerte Schritte hierbei sind:
- Leadershiptraining für alle Führungskräfte, die Bewusstsein und Kompetenz zu den Themen Systemdenken, Kommunikation, Umgang mit Spannungen, Rollen und bereichsübergreifender Führung beinhalten.
- Einen Führungskreis etablieren, in dem sich monatlich alle Leitungen treffen, um aktuelle Herausforderungen teamübergreifend zu besprechen.
- Die Feedbackkultur fördern: Führungskräfte holen aktiv Rückmeldung von anderen Abteilungen und den eigenen Verantwortungsbereichen ein: „Was braucht ihr von uns / vom Gesamtsystem, damit ihr besser und wirksamer arbeiten könnt?“
6. Anreizsysteme anpassen, damit Zusammenarbeit nicht Einzelerfolge belohnt werden.
Dies kann gelingen, wenn
- individuelle Leistungsziele um Team- und Unternehmensziele ergänzt werden und letztere vorrangig sind.
- sich Bonussysteme anteilig auf Unternehmenserfolg ausrichten.
- eine Projektbeteiligung honoriert wird, auch wenn sie außerhalb des eigenen / bisherigen Bereichs und Rollenspektrums liegt.